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Lehrabgänger:innen-Umfrage 2024: Berufseinsteiger:innen oft unterbezahlt – Lohnanpassungen gefordert

​​03.04.2025​ – Die KV-Lehre überzeugt: Eine grosse Mehrheit der Lehrabgänger:innen fühlt sich gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet und die Weiterbildungsbereitschaft ist hoch. Doch fast 40% der Berufseinsteiger:innen verdienen weniger als die Minimallohnempfehlung des Kaufmännischen Verbands Schweiz vorsieht – in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten ein alarmierender Trend. Der Kaufmännische Verband Schweiz fordert die Betriebe auf, während der Ausbildung sämtliche Kosten für die digitalen Arbeitsmittel ihrer Lernenden zu übernehmen, die Löhne zu Beginn der Karriere zu erhöhen und Weiterbildungen gezielt zu fördern.

Mit rund 12 500 Absolvent:innen pro Jahr ist die KV-Lehre die meistgewählte Grundbildung der Schweiz. Um die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, den Berufseinstieg und die Zukunftspläne der jungen Berufsleute zu analysieren, führt der Kaufmännische Verband Schweiz seit 2006 eine jährliche Umfrage unter den EBA- und EFZ-Absolvent:innen der betrieblich (BOG) und schulisch (SOG) organisierten Grundbildung durch. 2024 nahmen 3 647 Personen an der ersten Erhebungswelle im Juli und 928 an der zweiten Welle im November teil.

KV-Lehre als beliebtes Sprungbrett für die Zukunft

«Die KV-Lehre erfreut sich weiterhin grosser Beliebtheit. 93.8% der Lehrabgänger:innen bewerten ihre Ausbildung positiv und fühlen sich gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Besonders schätzen sie die erworbenen Kompetenzen und das positive Arbeitsklima», berichtet Svenja Ritter, Projektmitarbeiterin Bildungspolitik, welche die aktuelle Befragung verantwortet.

Auch die Weiterbildungsbereitschaft ist mit 88.6% erfreulich hoch – viele Absolvent:innen möchten ihre Qualifikationen weiter ausbauen. Doch genau hier zeigt sich ein Problem: 56.9% der Befragten erhalten von Seiten Arbeitgeber:innen weder finanzielle noch zeitliche Förderung für Weiterbildungen – ein deutlicher Anstieg zum Vorjahr (2023: 43.8%). Dies erschwert die Entwicklungsmöglichkeiten junger Kaufleute und schwächt langfristig die Fachkräftebindung der Unternehmen. 

Erfolgreicher Berufseinstieg trotz Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt

Die Mehrheit der KV-Absolvent:innen ist vier Monate nach Abschluss erwerbstätig, viele bleiben in ihrem Lehr- oder Praktikumsbetrieb (vgl. Grafik 1). Dennoch ist der Anteil der Erwerbstätigen im Vergleich zum Vorjahr um 4.4 Prozentpunkte gesunken. Gleichzeitig zeigt sich gemäss Bundesamt für Statistik ein leichter Anstieg der Jugenderwerbslosigkeit. Damit entspricht die Erwerbslosigkeit unter den KV-Absolvent:innen dem allgemeinen Branchenniveau, ist jedoch im Vergleich zum Vorjahr moderat gestiegen. Ob sich dieser Trend fortsetzt, muss weiter beobachtet werden.

Teuerungsausgleich für die kaufmännischen Berufseinsteiger:innen gefordert

Der jährliche Medianlohn für Berufseinsteiger:innen bleibt 2024 unverändert bei CHF 58 500.-. Dies entspricht zwar exakt der Minimallohnempfehlung des Kaufmännischen Verbands Schweiz, dennoch liegen gut 40% der Löhne unter diesem Minimum (vgl. Grafik 2) und die notwendige Teuerungskompensation von 0.8% wurde nicht umgesetzt.

Um den Nachholbedarf seit 2021 auszugleichen, die steigenden Lebenshaltungskosten zu berücksichtigen und Dumping-Löhne zu verhindern, fordert der Kaufmännische Verband Schweiz eine Lohnerhöhung um bis zu 5%. «Damit die kaufmännische Grundbildung für junge Talente weiterhin attraktiv bleibt, braucht es faire Einstiegsgehälter», stellt Ritter klar und weist darauf hin: «Die fehlende Teuerungskompensation bedeutet für die betroffenen Absolvent:innen einen Kaufkraftverlust.» Aus diesem Grund wird die Minimallohnempfehlung des Verbands für 2025 auf CHF 59 410.- erhöht.

BYOD-Policy und Beteiligung an den Schulmaterialkosten weiterhin mangelhaft

Obwohl digitale Arbeitsmittel in der KV-Lehre mittlerweile Standard sind, beteiligen sich viele Betriebe weiterhin kaum an den Kosten (vgl. Grafik 3). Der Anteil der Lernenden, die ihr eigenes Gerät für den Unterricht mitbringen müssen, ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Des Weiteren übernehmen 44.1% der Betriebe keinerlei Kosten für BYOD-Geräte, und die finanzielle Unterstützung für deren Anschaffung ist weiter rückläufig. Auch bei den Schulmaterialkosten bleibt die Beteiligung vieler Lehrbetriebe unzureichend. «Die KV-Lehre setzt auf digitale Arbeitsmittel, doch die Finanzierung bleibt ein ungelöstes Problem», beanstandet Ritter. «Betriebe müssen hier mehr Verantwortung übernehmen und sich klar zur Digitalisierung bekennen.» 

Arbeitsplatzbetreuung: hohe fachliche Qualität, aber wenig Zeit und Feedback

Die Berufs- und Praxisbildner:innen leisten wertvolle fachliche Unterstützung – über 80% der Befragten fühlten sich während der Lehre gut betreut (vgl. Grafik 4). Dennoch gibt es Defizite: Feedback erfolgt oft zu selten, Anweisungen sind nicht immer klar formuliert, und einige Berufs- und Praxisbildner:innen stehen nur eingeschränkt zur Verfügung. Ritter ist überzeugt: «Berufs- und Praxisbildner:innen sind essenziell für eine hochwertige Ausbildung, aber ihre Rolle muss institutionell und finanziell besser anerkannt werden.»

Betriebe müssen in die Zukunft der Absolvent:innen investieren

Der Kaufmännische Verband Schweiz fordert, dass Betriebe ihre Verantwortung stärker wahrnehmen. «Faire Löhne nach der Lehre sind essenziell – es kann nicht sein, dass fast 40% der Berufseinsteiger:innen unter der empfohlenen Mindestlohnschwelle arbeiten müssen», kritisiert Ritter. Zudem benötigen Berufs- und Praxisbildner:innen mehr Zeit und eine Funktionszulage, um Lernende angemessen betreuen zu können. Auch die finanzielle Belastung durch BYOD-Kosten und die fehlende Weiterbildungsförderung nach der Lehre darf nicht länger auf die Lernenden abgewälzt werden.

«Betriebe stehen in der Verantwortung, junge Fachkräfte fair zu entlöhnen und bestmöglich zu fördern», betont Ritter. «Wer in angemessene Einstiegslöhne, die Weiterbildung der Lehrabgänger:innen sowie die Rolle der Berufs- und Praxisbildner:innen investiert, stärkt die Zukunft des kaufmännischen Berufs nachhaltig.»

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