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Führung von Lernenden: Für einen gesunden Start ins Arbeitsleben

    Wie wichtig ist Führung für die Förderung der psychischen Gesundheit von Lernenden? Welche Rolle spielt dabei die Gestaltung der Beziehung zwischen Lernenden und Berufsbildnerinnen respektive Berufsbildern? Und wie genau funktioniert eine gesundheitsförderliche Führung?

    Es berichten immer mehr Menschen von erhöhter psychischer Belastung. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene sind verstärkt betroffen. Dies fordert auch viele Betriebe, die junge Erwachsene ausbilden. Was aber kann ein Lehrlingsbetrieb konkret tun, um einen gesunden Start ins Arbeitsleben zu fördern?

    Die richtige Führung und Begleitung während der Ausbildung sind zentral für die Förderung der psychischen Gesundheit von Lernenden. Dabei spielt die Gestaltung der Beziehung zwischen Lernenden und Berufsbildner:in eine wichtige Rolle. Natürlich ist dies kein Einwegprozess. Die Lernenden bringen sich und ihre Person mit ein, einschliesslich ihrer Bedürfnisse, Wünsche und auch ihrer privaten Themen und Herausforderungen. Das Besondere dieser Führungssituation ist, dass die Auszubildenden am Anfang ihres beruflichen Werdegangs stehen. Sie müssen Fach- und Methodenwissen erwerben, Erfahrungen sammeln und sich in der Welt der «Erwachsenen» zurechtfinden und etablieren. Das heisst die Berufsbildner:innen können, was das Arbeitsleben der Jugendlichen betrifft, nicht auf einem Vorrat an Erfahrungen der Lernenden aufbauen. Sie müssen sie an die Anforderungen der Arbeitswelt heranführen. Führung, und damit auch gesundheitsförderliche Führung, hat viel mit Kommunikation zu tun, die im direkten Austausch erfolgt.

    Beziehungsgestaltung beginnt bei mir

    Eine grosse Rolle spielt der Umgang der Berufsbildner:innen mit ihrer eigenen Gesundheit, im Sinne  einer gesundheitsförderlichen Selbststeuerung. Ist man selbst erschöpft und ausgelaugt oder weiss nicht, wie mit eigenem Stress umgegangen werden kann, so kann man nur bedingt die für diese Prozesse notwendige Aufmerksamkeit entwickeln. Beim Thema gesundheitsförderliche Selbststeuerung geht es um den Umgang mit der eigenen Gesundheit, mit Stress bzw. der Balance von Ressourcen und Belastungen. Kann dies ein:e Berufsbildner:in gut, so ist sie oder er auch besser in der Lage, Gesundheitsrisiken bei den Lernenden wahrzunehmen, diese einzuschätzen und den Lernenden dabei zu helfen, mit der eigenen Gesundheit besser umzugehen. Dabei geht es vor allem um die Wertschätzung der eigenen Person. Wenn sich die Berufsbildner:innen selber wertschätzen, erfolgt Führung auch indirekt über die Vorbildfunktion der Ausbildner:innen.

    Die Beziehung Berufsbilder:in zum Lernenden muss laufend gepflegt werden. Die Lernenden gewinnen dadurch an Selbstvertrauen und Sicherheit. Und Führung gelingt dann, wenn ihr eine vertrauensvolle Beziehung zugrunde liegt.

    Zusammenfassende Tipps für die gesundheitsförderliche Führung von Lernenden

    Schaffen Sie als Berufsbildner:in Erfolgserlebnisse: Bieten Sie Ihren Lernenden interessante und abwechslungsreiche Aufgaben mit Entscheidungsmöglichkeiten an. Berücksichtigen Sie dabei immer wieder die Stärken und Ressourcen der Lernenden. Die so ermöglichten Erfolgserlebnisse werden die Selbstwirksamkeit der Lernenden stärken.

    • Bieten Sie soziale Unterstützung: Helfen Sie den Lernenden wenn nötig, mit Belastungen zurecht zu kommen und auftauchende Probleme zu lösen – ohne ihnen die Verantwortung abzunehmen.
    • Bringen Sie Anerkennung und Wertschätzung zum Ausdruck: Loben Sie die Lernenden, fragen Sie sie nach ihrer Meinung, übertragen Sie ihnen verantwortungsvolle Aufgaben. Gleichzeitig dürfen Sie konstruktives Feedback geben: Wertschätzung heisst nicht prinzipiell zu loben – vielmehr geht es um angemessene Aufmerksamkeit für die Lernenden.
    • Gewährleisten Sie eine differenzielle Arbeitsgestaltung: Schaffen Sie Raum für individuelle Leistungsunterschiede, indem Sie für die Lernenden je nach Entwicklungsstand unterschiedliche Aufgaben festlegen. Berücksichtigen Sie gleichzeitig, dass Sie solche Massnahmen erklären, um Fragen der Fairness vorwegzunehmen.
    • Thematisieren Sie mit den Lernenden die Früherkennung von Schwierigkeiten, das Stressmanagement und das richtige Erholungsverhalten.
    • Nehmen Sie Ihre Vorbildfunktion wahr: Was können Ihre Lernenden von Ihnen lernen?

    Die Umsetzung dieser Massnahmen ist anspruchsvoll. In diesem Sinne ist es wichtig, sich von Misserfolgen nicht entmutigen zu lassen. Es gilt, dranzubleiben – im Wissen darum, dass gelegentliches «Scheitern» dazu gehört.

    Die Beziehung Berufsbilder:in zum Lernenden muss laufend gepflegt werden.

    Autor:in

    Andrea Nussbaumer

    Gesundheitsförderung Schweiz

    Gesundheitsförderung Schweiz ist eine Stiftung, die von Kantonen und Versicherern getragen wird. Mit gesetzlichem Auftrag initiiert, koordiniert und evaluiert sie Massnahmen zur Förderung der Gesundheit und zur Verhütung von Krankheiten (Krankenversicherungsgesetz, Art. 19). Die Stiftung unterliegt der Kontrolle des Bundes. Oberstes Entscheidungsorgan ist der Stiftungsrat. Die Geschäftsstelle besteht aus Büros in Bern und Lausanne. 

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